D. Ergebnis

Bei fast allen Entscheidungen am Lebensende handelt es sich sowohl auf Seiten der Patienten, als auch bei Angehörigen und behandelnden Ärzten um höchstpersönliche Gewissensentscheidungen im Einzelfall, welche sich einer pauschalen ethischen Bewertung entziehen. Insbesondere die Grundsätze der prinzipien-basierten Ethik geben hierfür sehr gute Anhaltspunkte, sind aber gerade nicht wie eine Leitlinie o.ä. geeignet, schematische Behandlungsalgorithmen zu definieren.

Wenn mit dem Tod nur noch die radikale Perspektivlosigkeit des eigenen Nichtseins verbunden ist, verliert er jeglichen Sinn und wird gesellschaftlich tabuisiert. Gleichzeitig erscheint der Tod einer einseitig kurativ gedachten Medizin nicht als natürlicher Bestandteil und unvermeidliches Ende des Lebens, sondern vielmehr als das mit allen Mitteln zu vermeidende Versagen der behandelnden Ärzte.[1]

Das ärztliche Selbstverständnis wird bei der Frage des ärztlich assistierten Suizids auf die Probe gestellt, da das Prärogativ der ärztlichen Therapiefreiheit die Patientenautonomie zu gefährden droht. Ohne eine für alle Beteiligten tragfähige Abwägung besteht somit die Gefahr einer als Patientenschutz getarnten paternalistischen Bevormundung.

Auch die medizinstrafrechtliche Betrachtung zeigt klare Leitplanken für ärztliche Hilfeleistungen auf. So ist der Arzt gezwungen, in bestimmten Situationen seinem Patienten zu helfen (sei es aus Garantenpflicht, sei es zur Vermeidung einer unterlassenen Hilfeleistung). Weder eine Behandlung gegen den Willen des Patienten ist zulässig (Körperverletzung), noch eine bewusste Schädigung des Patienten ohne dessen Einverständnis (Körperverletzung, Totschlag). Selbst dem ausdrücklichen Wunsch des Patienten auf aktive Sterbehilfe darf der Arzt nicht nachkommen (Töten auf Verlangen). Der rechtlich zulässige Bereich des Behandlungsabbruchs sowie der indirekten Sterbehilfe durch Gabe starker Schmerzmittel oder durch Sedierung ist zwar rechtswissenschaftlich gut definiert, in der ärztlichen Praxis aber mit vielen Unschärfen verbunden.

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[1] Wittwer/Schäfer/Frewer, Sterben und Tod, S. 225.