I. Sterbehilfe, Terminologie und Abgrenzungen

Alternativ zum heute allgemein in Rechtsprechung[1] und Literatur[2] gebräuchlichen Begriff der Sterbehilfe wird im ärztlichen Kontext[3] vornehmlich von ´Sterbebegleitung´[4] gesprochen, im juristischen Zusammenhang von ´Suizidbeihilfe´ oder ´Suizidhilfe´[5]. Sofern diese durch einen Arzt geleistet wird, spricht man auch von ´ärztlich assistiertem Suizid´.

Zumeist versteht man hierunter allgemein, dass einem schwer erkrankten Menschen nach dessen erklärten oder mutmaßlichen[6] Willen geholfen wird, um ihm einen seinen Vorstellungen entsprechenden Tod zu ermöglichen.[7]

Kann trotz genauester Prüfung nicht von einem entsprechenden mutmaßlichen Patientenwillen ausgegangen werden, so handelt es sich (unabhängig von den Überzeugungen des Arztes, der Meinung der Angehörigen oder sog. ´objektiver Kriterien´) nicht um Sterbehilfe, sondern vielmehr je nach Konstellation um Totschlag gem. § 212 StGB oder Mord gem. § 211 StGB.[8]

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[1] so z.B. BGH, Beschluss vom 10.11.2011 – 2 StR 320/10, NStZ 2011, 274; BGH, Urteil vom 25.06.2010 – 2 StR 454/09, BGHSt 55, 191; BGH, Urteil vom 13.09.1994 – 1 StR 357/94, BGHSt 40, 257; BGH, Urteil vom 08.05.1991 – 3 StR 467/90, BGHSt 37, 376.

[2] Berghäuser, ZStW 2016, 741, 750; Eser/Sternberg-Lieben in: Schönke/Schröder, Vor. Zu §§ 211 ff., Rn. 21 ff.; Lipp in: Laufs/Katzenmeier/Lipp, VI Rn. 98; Roxin in: Roxin/Schroth, 75, 83; Taupitz, Gutachten A für den 63. Deutschern Juristentag, S. 61 ff., 64.

[3] Bundesärztekammer, Grundsätze der Bundesärztekammer zur ärztlichen Sterbebegleitung.

[4] Hilgendorf, Einführung in das Medizinstrafrecht, Kapitel 4 Rn. 10; Wessels / Hettinger / Engländer, StrafR BT 1 Rn. 38 ff.

[5] so zuletzt auch das BVerfG in seinen Urteilen vom 26.02.2020 zu § 217 StGB: 2 BvR 2347/15, 2 BvR 651/16, 2 BvR 1261/16, 2 BvR 1593/16, 2 BvR 2354/16, 2 BvR 2527/26.

[6] Zu den strengen Voraussetzungen der Annahme einer mutmaßlichen Einwilligung zur Sterbehilfe vgl. BGH, Urteil vom 25.03.1988 – 2 StR 93/88, BGHSt 35, 246, 249.

[7] Roxin in: Roxin/Schroth, S. 83.

[8] Hilgendorf, Einführung in das Medizinstrafrecht, Kapitel 4 Rn. 9.