III. Menschenrechte und Grundrechte, Teil 3

Dies bestätigte und konkretisierte der Gerichtshof in seinen Entscheidungen Koch v. Germany[1] (auch Angehörige eines Suizidenten können ggf. in ihrem Recht aus Art. 8 EMRK betroffen sein) und Gross v. Switzerland (das Recht auf selbstbestimmte Lebensbeendigung besteht auch ohne schwere physische oder psychische Krankheit)[2]. Die Konventionsstaaten sind verpflichtet, die notwendigen Maßnahmen zur Ermöglichung eines würdigen Suizids zu schaffen.

Der Gerichtshof gewährt den Konventionsstaaten bei der nationalen Umsetzung des Rechts auf selbstbestimmte Lebensbeendigung erhebliche Ermessensspielräume[3], welche diese auch zur Verhinderung von Missbrauch[4] nutzen müssen.[5] So müssen sie aufgrund des in Art. 2 EMRK garantierten Rechts auf Leben vulnerable Personen auch gegen selbstgefährdende Handlungen schützen und sicherstellen, dass eine entsprechende Entscheidung eines Suizidenten seinem eigenen freien Willen entspricht.[6]

WEITER


[1] Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, Koch v. Germany, Entscheidung vom 19.07.2012 – 497/09.

[2] Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, Gross v. Switzerland, Entscheidung vom 14.05.2013 – 67810/10.

[3] Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, Pretty v. The United Kingdom, Entscheidung vom 29.04.2002 – 2346/02, §§ 70f; Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, Haas v. Switzerland, Entscheidung vom 20.01.2011 – 31322/07, §§ 53, 55; Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, Koch v. Deutschland, Entscheidung vom 19.07.2012  – 497/09, § 70.

[4] Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, Pretty v. The United Kingdom, Entscheidung vom 29.04.2002 – 2346/02, § 74; Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, Haas v. Switzerland, Entscheidung vom 20.01.2011 – 31322/07, § 57.

[5] BVerfG, Urteil vom 26.02.2020 – 2 BvR 2347/15, 2 BvR 651/16, 2 BvR 1261/16, 2 BvR 1593/16, 2 BvR 2354/16, 2 BvR 2527/16, Rn. 305.

[6] Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, Haas v. Switzerland, Entscheidung vom 20.01.2011 – 31322/07, §§ 54, 58.