VIII. Stand der Diskussion, Teil 6

h) Palliativmedizin / Hospizbewegung

In Deutschland wurde die erste Palliativstation 1983 in Köln und das erste Hospiz 1986 in Aachen eröffnet. Palliativmedizin und Hospize ergänzen sich gegenseitig.[1] Aufgabe der Palliativversorgung bzw. Palliativmedizin[2] ist die Begleitung schwer kranker und sterbender Menschen, wobei der ganzheitliche Erhalt der Lebensqualität unter Linderung von Symptomen und Schmerzen in den Vordergrund des Handelns gestellt wird (sog. High-person-low-tech-Ansatz[3]), damit die verbleibende Lebenszeit als Teil eines natürlichen Prozesses selbstbestimmt und in Würde erlebt werden kann.[4]

Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) defininiert Palliativmedizin in Anlehnung an die Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) regelmäßig als die Behandlung von Patienten mit einer nicht heilbaren progredienten und weit fortgeschrittenen Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung, für die das Hauptziel der Begleitung die Lebensqualität (nicht nur in der letzten Lebensphase) ist.

Es wird in der aktuellen Diskussion regelmäßig ein Vorrang der Palliativmedizin vor jeglicher Form von assistiertem Suizid gefordert. Dem liegt die Vorstellung zugrunde, dass moderne Palliativmedizin alle wesentlichen Symptome am Lebensende lindern bzw. beseitigen könne, so dass in fast allen Situationen ein unbeschwertes Sterben möglich sei. Dies werde ergänzt durch seelsorgerische Arbeit oder in geeigneten Fällen durch ein ´natürliches´ Sterben in einem Hospiz.

Im Ergebnis soll die Sterbebegleitung, also die Hilfe beim Sterben, gefördert werden, um die eigentliche Sterbehilfe, also die Hilfe zum Sterben, zu verhindern.

WEITER


[1] Aulbert / Nauck / Radbruch, Lehrbuch der Palliativmedizin, S. 1 – 11.

[2] Der Begriff ´palliativ´ wird abgeleitet aus dem Lateinischen ´pallium´ = Mantel, Umhang bzw. ´palliare´ = bedecken, tarnen, lindern.

[3] Wittwer/Schäfer/Frewer, Sterben und Tod, S. 225.

[4] Vgl. Müller-Busch, Abschied braucht Zeit – Palliativmedizin und Ethik des Sterbens.